Aesculus hippocastanum - Rosskastanie

Hippocastanaceae


QuickInfo

Aesculus hippocastanum - Habitus

Habitus:
großer Laubbaum, Einzelpflanzung, Höhe & Breite 16-20m, starkwüchsig, breit eiförmige Krone, dicht belaubt

Blätter:
sommergrün, 5-7zählig gefingert, groß

Blüte:
im Mai, große aufrechte Rispen, weiß mit gelber oder roter Mitte

Früchte:
grün, später bräunlich wenn reif, groß und stachelig, sehr zahlreich!

Ansprüche:
toleriert die meisten Böden, veträgt aber keine Oberflächenverdichtung oder Bodenversalzung, empfindlich gegen Imissionen und Streusalz, Unterpflanzung nur schwer möglich






Synonyme:

botanisch: -

deutsch: Weiße Kastanie

englisch: horse chestnut

französisch: Marronnier d'Inde (indische Marone)
Châtaignier de cheval (Pferde- oder Rosskastanie)
Marronnier blanc (Weiße Kastanie)

spanisch: Castaño de indias (indische Kastanie)
Falso casta

holländische: Gewoone Paardekastanie (gewöhnliche Pferdekastanie)

weitere: russisch: Konskij kaschtan
schwedisch: Hästkastanj
dänisch: Hestekastanje
polnisch: Kasztanowiec biazy

Taxonomie

Reich - regnum: Eucarya - Lebewesen mit Zellkern
Unterreich - subregnum: Chlorobionta - Grünpflanze
Abteilung - divisio / Stamm - phylum: Streptophyta - Landpflanze
Unterabteilung - subdivisio: Spermatophytina - Samenpflanzen
Klasse - classis: Magnoliopsida - Bedecktsamer
Unterklasse - subclassis: -
Überordnung - superordo: -
Ordnung - ordo: Sapindales - Seifenbaumartige
Familie - familia: Hippocastanaceae - Rosskastaniengewächse / Sapindaceae - Seifenbaumgewächse
Unterfamilie - subfamilia: -
Tribus - tribus: -
Gattung - genus: Aesculus - Kastanie
Art - species: hippocastanum - Rosskastanie

Verwandtschaft:

innerhalb der Familie:

  • monotypisch, keine

innerhalb der Gattung:

  • A. californica - Kalifornische Rosskastanie
  • A. carnea - Rote Rosskastanie
  • A. chinensis - Chinesische Rosskastanie
  • A. flava - Gelbe Rosskastanie
  • A. glabra - Ohio Rosskastanie
  • A. glaucescens
  • A. hippocastanum - Gewöhnliche Rosskastanie
  • A. hybrida - Bastard-Rosskastanie
  • A. indica - Indische Rosskastanie
  • A. marylandica
  • A. mutabilis
  • A. neglecta - Carolina Rosskastanie
  • A. parviflora - Strauch-Rosskastanie
  • A. pavia
  • A. sylvatica
  • A. turbinata - Japanische Rosskastanie

Namensgebung:

Der Name "Rosskastanie" kommt vermutlich von der hufförmigen Blattnarbe oder weil die Kastanie früher häufig als Pferdefutter genutzt wurde.


Habitat:

Wuchs:
großer wuchtiger Baum mit breiter bis hochgewölbter, ovaler, dicht geschlossener Krone auf einem kurzen, kräftigen und durchgehenden Stamm, monopodial wachsend, untere Zweigpartien im Alter malerisch überhängend

Herkunft & Verbreitung:
Kleinasien, Nordgriechenland, Mazedonien, Albanien, Südjugoslawien und Ostbulgarien, seit dem 16. Jahrhundert aus Konstantinopel über Prag in Wien und bald darauf in ganz Mitteleuropa eingebürgert
in feuchten Gebirgswäldern auf nährstoffreichen, tiefgründigen Sand- und Lehmböden, montane Klimate

Standort & Boden:
Sonne bis Halbschatten
keine besonderen Ansprüche. liebt frische bis feuchte, tiefgründige, nährstoffreiche Böden, Braun- und Parabraunerden, für die Anzucht sind auch sandige Lehme hervorragend geeignet, schwach sauer bis alkalisch, Kalk verträglich, empfindlich gegen Oberflächenverdichtung

Verwendung:
prachtvoller Einzelbaum für großräumige Garten- und Parkanlagen, großzügiger Schattenspender in Biergärten, früher als Bodenfestiger, auffälliger Blütenbaum, Straßenbaum im Vorstadtbereich, Bienenweide, Tiernährgehölz, Unterpflanzungen nicht möglich

Handelsbeschränkungen:
nach CITES keine Beschränkungen

Größe & Zuwachs:
bis 30 m hoch und 15 bis 25 m breit, Jahreszuwachs in der Höhe 45 - 50 cm, in der Breite 25 - 35 cm, stark wüchsig
kann bis zu 400 Jahre alt werden


Habitus:

Rinde:
Triebe glatt, graubraun mit zahlreichen Lentizellen, bis 2 cm dick, Borke dunkelbraun, springt in dünnen, gefelderten Platten ab, die groben Längsrisse folgen dem Rechtsdrehwuchs, im Alter dunkelgraue Schuppenborke

Holz:
gleichmäßig weißlich gelb, selten bräunliche Tönung, zerstreut porig, Jahresringgrenzen als helle Linie, matt glänzend, biegsam, weich und sehr fein, Dichte zwischen 0,46 - 0,55 g/cm3, wenig dauerhaft / mäßig schwindend, verfärbt sich schnell, etwas schwammig in der Verarbeitung, leicht spaltbar, lässt sich gut schnitzen, drehen und schälen, der Drehwuchs kann problematisch sein, früher für Prothesen genutzt, heute für Möbel, Klaviere, Holzschuhe, Schnitzarbeiten, Obstkisten und im Spielzeugbau als Bauholz geeignet

Blätter:
im Herbst / Winter endet der Trieb mit einer großen dominanten Endknospe, rotbraun, breit kegelförmig und klebrig, manchmal von Sekundärknospen seitlich besetzt, gegenständig, Blätter sommergrün, sehr groß, dunkelgrün, unterseits etwas heller, ohne Haare, Blattstiel und Spreite je 10 - 20 cm lang, handförmig geteilt, 5 - 7 teilig, Fiederblätter verkehrt eiförmig mit gesägtem Rand, am Ende kurz zugespitzt und an der Basis keilförmig verschmälert, Herbstfärbung leuchtend gelb, später braun

Blüte:
direkt nach der Blattentfaltung ab Mai - Juni, einhäusig, weiß, glockenförmig, zunächst mit gelbem Fleck / Saftmal, verfärbt sich nach erfolgreicher Befruchtung kaminrot (weil Bienen kein rot sehen können, fliegen sie solche Blüten nicht mehr an), in 20 - 30 cm langen, aufrechten Rispen, zunächst zwittrig, reduzieren sich zu einem Geschlecht, mit 5 - 9 langen Staubblättern

Früchte:
große, grüne, ledrige, stachelige Kapselfrüchte mit 1 - 2 glänzend dunkelbraunen Samen, ab September / Oktober reif, die optimale Reife ist erreicht, wenn die Schale sich hellgrün gelb verfärbt, Baum fruchtet erst ab dem 15. Jahr

Samen:
dunkelbraun glänzende Kastanien mit hellem Nabelfleck (Hilum), TKG 10.000 g, wertvolles Futter für Huftiere (Pferde, Schweine, Wild), für uns Menschen aber nicht essbar, wird schnell mit der essbaren Kastanie (Castanea sativa) verwechselt, deren Früchte ähnlich aussehen, sonstige Merkmale aber unterschiedlich sind

Wurzeln:
Herzwurzelsystem, tiefgehend und weit reichend, mit hohem Anteil an Feinwurzeln, aber auch stärkeren Seitenwurzeln im oberen Bereich, junge Sämlinge bilden zunächst eine Pfahlwurzel


Eigenschaften:

sehr frosthart (-30°C), lichthungrig, empfindlich gegen Immissionen, Strahlungshitze und Salz, Kastanienblüten produzieren viel Nektar, sehr gute Bienenweide
Baum des Jahres in Deutschland, 2005


Besonderheiten:

Schwarzschattende Kastanie

Schwarzschattende Kastanie,
mein windgeregtes Sommerzelt,
du senkst zur Flut dein weit Geäst,
dein Laub, es durstet und es trinkt,
Schwarzschattende Kastanie!

Im Porte badet junge Brut
mit Hader oder Lustgeschrei,
und Kinder schwimmen leuchtend weiß
im Gitter deines Blätterwerks,
Schwarzschattende Kastanie!

Und dämmern See und Ufer ein
und rauscht vorbei das Abendboot,
so zuckt aus roter Schiffslatern
ein Blitz und wandert auf dem Schwung
der Flut, gebrochnen Lettern gleich,
bis unter deinem Laub erlischt
die rätselhafte Flammenschrift.

Schwarzschattende Kastanie!

Conrad Ferdinand Meyer

mögliche Schäden oder Krankheiten:

  • Kastanienminiermotte
  • Blattbräunepilz
  • Salzschaden durch Winterstreudienste oder Überdüngung

Medizin:

Angaben ohne Gewähr! Die medizinische Nutzung von Pflanzenmaterial ist sehr gefährlich und sollte Experten überlassen werden. Von der Herstellung jeglicher Medien zu heilkundlichen Zwecken wird abgeraten!

Heilkunde:
alle Pflanzenteile sind leicht giftig, bedeutungsvoll sind Samen und Früchte, auch zur Schnupftabak- und Seifenpulverherstellung geeignet

Wirkung:
erhöht die Durchlässigkeit der Blutgefäße, regt den Kreislauf an, fördert die Durchblutung, steigert die Blutumlaufgeschwindigkeit und den venösen Rückfluss, wirkt gegen Krampfadern (Varizen), Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Venenstauung, Venenentzündung, venöse Durchblutungsstörungen und Ödeme, Fuß- und Beingeschwüre (Ulcus cruris), Hämorrhoiden sowie Juckreiz, Schwellungen, Entzündungen und Thrombosen.

Äußerlich wird Rosskastanienextrakt zur Haut- und Haarpflege verwendet, Gletschersalben gegen Sonnenbrand enthalten meist auch Extrakte aus den Knospen (chestnut bud).

In der Bachblütentherapie wird die Knospe ebenfalls verwendet und soll bei Menschen helfen, die sich schwer damit tun, aus eigenen Fehlern zu lernen, weil sie die gewonnene Erfahrung nicht verarbeiten können.

Nebenwirkung:
die heutigen industriell erzeugten Extrakte sind im Allgemeinen gut verträglich, nur in Einzelfällen können Juckreiz, Übelkeit oder Magenbeschwerden auftreten, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.

Folgende Symptome treten nach Verzehr der giftigen Pflanzenteile auf:
Unruhe, Angstgefühl, Fieber, Kopf- und Leibschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Entzündung des Dünndarms, weite Pupillen, Gesichtsrötung, Bewusstlosigkeit oder Atemlähmung.

Direktinjektion von Saponin in die Blutbahn wirkt lokal reizend und kann zur Auflösung roter Blutkörperchen führen

Inhaltsstoffe:
giftige wie auch heilende Wirkstoffe

die Rinde enthält vor allem Gerbsäure Aesculin, in geringen Mengen auch Saponine, unreife Samen und grüne Schalen enthalten giftige Saponine wie ß-Aescin. Sie werden kaum vom Körper resorbiert, außer bei Entzündung des Magen - Darm - Kanals, reife Früchte enthalten bis zu 30% Stärke, daneben auch Zucker Flavone und Eiweiß

Herstellung:
verwendet werden verschiedene Wirkstoffe aus den Samen als Salben oder Tabletten

Dosierung & Anwendung:
eine Tagesdosis sollte bei etwa 100 mg Aesculin liegen, was der Einnahme von 2x täglich 250 - 312,5 mg Extrakt mit einem Aesculingehalt von je 40 - 50 mg als Retardtablette oder -kapsel entspricht


Vermehrung:

nur generativ über Aussaat, entweder direkt nach der Ernte der Samen im Herbst oder im Frühjahr (März/April)

Saatgutvorbehandlung: Samen reinigen und ca. 4 Wochen lang trocken lagern, spätestens bei beginnender Schrumpfung bzw. Eintrocknung der Samenschale bei 0°-2°C in feuchtem Sand bis zur Aussaat lagern, ständige Pilzkontrolle nötig!

Aussaat per Hand mit Nabelfleck nach unten in 4-6cm tiefe Reihen (5x25) legen, abdecken mit Sand, Keimung hypogäisch, im Mai, bleiben 2 Jahre im Saatbeet


Jungpflanzenanzucht

Jahr 1: monopodialer Wuchs mit ausgeprägter Pfahlwurzel, Keimlinge erreichen eine Höhe zwischen 10 - 50 cm

Jahr 2: Jungware wächst bis 100 cm, Spätfrost gefährdet!

Spätfrost gefährdet bis zum 4. Jahr!


Bonsaikunde:

Pflege:
möglichst mit Regenwasser gießen, zu hohe Salzkonzentrationen lassen die Blätter braun werden, Trockenheit unbedingt vermeiden

Substrat:
alle 2 - 3 Jahre vor dem Austrieb oder nach der Blüte umtopfen, mit Wurzelschnitt, Mischung aus Akadama und Humus 2:1

Düngung:
nach dem Austrieb organisch, im Sommer schwach N in mineralischer Form, aber nicht unbedingt notwendig

Überwinterung:
vor Spätfrösten und Frosttrocknis schützen, den Wurzelballen gegen Durchfrieren schützen, sonst bedenkenlos

Gestaltung:
wegen der großen Blätter und des starken Wuchses eignet sich die Rosskastanie nur für größere Bonsais, für besseren Astaufbau die großen Endknsopen vor dem Austrieb entfernen, dadurch aber keine Blüte mehr, drahten kann man alle biegsamen Äste (Achtung! starkes Dickenwachstum im Juni) und junge Triebe, die sich bereits verfärben

Rückschnitt:
Austrieb 5 - 6 Blätter wachsen lassen, danach auf 2 - 3 einkürzen, der Schnitt bei älteren Pflanzen soll problematisch sein, der Baum reagiert angeblich mit starkem Reiterwuchs



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