Fagus sylvatica - Rotbuche

Fagaceae


QuickInfo

Fagus sylvatica - Habitus

Habitus:
großer Laubbaum, starkwüchsig, Höhe 20-30m, Breite 16-18m, Solitär oder Gruppenpflanzung, rundlich ausladend wenn als Solitär, schmal und hoch trichterförmig im Forst

Blätter:
elliptisch, leicht wellig, fein beharrt wenn jung, glänzend dunkelgrün, Herbstfärbung braun, oftmals lang haftend

Blüte:
einhäusig, unauffällig im Mai

Früchte:
3kantige Nüsse, von einer verholzten, stacheligen Fruchthülle umgeben (Bucheckern)

Ansprüche:
bodentolerant aber bevorzugt lehmig, feuchte Böden mit hoher Luftfeuchtigkeit, winterhart, mag keine Staunässe oder Bodenverdichtung, Verwendung in der Forst oder als Parkbaum in großen Gärten






Synonyme:

botanisch: -

deutsch: Buche, Waldbuche, Gewöhnliche Buche, Europäische Buche

englisch: european beech (Europäische Buche), common beech (Gewöhnliche Buche)

französisch: Hêtre blanc (Weißbuche), Hêtre commun (Gewöhnliche Buche), Fayard

spanisch: Haya (Buche)

holländische: Beuken (Buche)

weitere: schwedisch: Vanlig Bok
polnisch: Buk
italienisch: Faggio comune
portugiesisch: Faia

Taxonomie

Reich - regnum: Eucarya - Lebewesen mit Zellkern
Unterreich - subregnum: Chlorobionta - Grünpflanze
Abteilung - divisio / Stamm - phylum: Streptophyta - Landpflanze
Unterabteilung - subdivisio: Spermatophytina - Samenpflanze
Klasse - classis: Magnoliopsida - Bedecktsamer
Unterklasse - subclassis: -
Überordnung - superordo: -
Ordnung - ordo: Fagales - Buchenartige
Familie - familia: Fagaceae - Buchengewächse
Unterfamilie - subfamilia: Fagoideae
Tribus - tribus: -
Gattung - genus: Fagus - Buche
Art - species: sylvatica - Wald

Verwandtschaft:

innerhalb der Familie:

  • Castanea - Esskastanie
  • Castanopsis - Scheinkastanie
  • Chrysolepis - Goldener Chinquapin
  • Lithocarpus - Steinfruchteiche
  • Nothofagus - Scheinbuche
  • Quercus - Eiche

innerhalb der Gattung:

  • F. crenata - Gekerbte Buche
  • F. engleriana - Englers Buche
  • F. grandiflora - Amerikanische Buche
  • F. japonica - Japanische Buche
  • F. moesiaca
  • F. orientalis - Orient-Buche
  • F. sylvatica - Rot-Buche

Namensgebung:

Der Name "Rot"buche beruht auf die leicht rötliche Holzfarbe der Buche und ist germanischen Ursprungs. Bei älteren Bäumen bildet sich oft ein roter Kern im Holz.


Habitat:

Wuchs:
großer, breit- und rundkroniger Baum mit starken, bis zum Boden herabhängenden Ästen (im Freistand), mächtige, hohe, gerade Stämme bildend, die einen Stammdurchmesser von bis zu 2m erreichen können, im Bestand und in Gruppen oder im Wald mit schlankerem Wuchs und trichterförmige Silhouette, gilt insgesamt als schnell wachsend

Herkunft & Verbreitung:
in Europa heimisch, vom Tiefland bis in die Alpen in Höhen von 1.500 m, typische Baumart der Ebene und Mittelgebirge
Das Gesamtverbreitungsareal erstreckt sich etwa vom 40.° bis zum 60.° nördliche Breite und umfasst weite Gebiete West-, Mittel-, Ost- und Südeuropas, wobei der Schwerpunkt in West- und Mitteleuropa liegt
bestandsbildend in Wäldern auf lockeren, feuchten, lehmigen, bis gut drainierten, warmen, kalkarmen und auch kalkreichen Böden, mittelgründige, sandig-steinige Lehmböden (Gleye), in kühl humider Klimalage mit Niederschlägen über 500 mm und einer Jahresdurchschnittstemperatur von 8°C

Standort & Boden:
Sonne bis Schatten
bevorzugt humosen Lehmboden, braucht viel Wasser, Grundwasser beeinflusste Böden wie Gleye sind vorteilhaft, ansonsten sehr bodentolerant, liebt hohe Luftfeuchtigkeit, empfindlich gegen Staunässe und Bodenverdichtung

Verwendung:
wichtigste Baumart in europäischen Wäldern (20% des Bestandes in D sind Buchen), für Pflanzmaßnahmen # in der freien Landschaft, Windschutz, Knicks, Baumgruppen, in einigen Gegenden beliebter Dorf- oder Hofbaum, herrlicher Einzelbaum in großräumigen Garten- und Parkanlagen, robustes langlebiges Heckengehölz, Bodenschutzholz unter Lichtbaumarten

Handelsbeschränkungen:
nach CITES keine Beschränkungen

Größe & Zuwachs:
25-40m hoch (mit ca. 120 Jahren), zunächst schlanke Krone, später breit kuppelförmig aufgewölbt, im Freistand sind alte Exemplare oft genauso breit wie hoch, mit dichtem Blattwerk, Jahreszuwachs in der Höhe ca. 60cm, in der Breite ca. 40cm
kann bis zu 400 Jahre alt werden


Habitus:

Rinde:
Stamm grau, teils auch silbrig braun, glatt ohne Borkenschuppen oder Längsrisse, recht dünn, oftmals mit Narben abgefallener Äste, eingeritzte Zeichen bleiben Jahrzehnte lang gut sichtbar, Stammbasis meist rauer und leicht rissig. Schattenbäume (Waldbestand) sind sehr empfindlich gegen plötzlich einwirkende Sonnenstrahlen nach Fällarbeiten (Sonnenbrand)
frische Triebe schwarzbraun bis rotbraun (Lichtseite), Schattenseite olivbraun, mit starker seidiger Behaarung, wachsen zickzackförmig, dünn und weich, oft herabhängend, erst nach dem Längenwachstum, wird Lignin gebildet und die Zweige verholzen, sie verlieren dann mit zunehmendem Alter ihre Behaarung und werden dunkelbraun mit vereinzelten strichförmigen Lentizellen bis sie als alte Zweige komplett grau geworden und die Lentizellen nicht mehr sichtbar sind

Holz:
weißlich gelb bis hellbraungelb, im trockenen Zustand rötlich, feinporig, zäh, wenig elastisch, gut tragfähig, mit 650-800 kg/m3 schwer, druckfest, stark schwindend, unter Wasser aber sehr dauerhaft, reißt oft (sorgfältige Trocknung kann dies verhindern), Kernholbaum, mit fakultativer Kernbildung, im Alter (ab 80 Jahre ungefähr) zunehmend stark auftretende Rotkernbildung, wird schnell bei feuchter Lagerung von Insekten und Pilzen befallen
lässt sich gut drehen, dämpfen und polieren, allgemein gute Bearbeitung
vielseitiges Nutz- und Industrieholz, Verwendung hauptsächlich für Möbel und Bauholz, Furniere, Treppen, Spielwaren und Eisenbahnschwellen, Paletten, auch für Pressholz und Sperrholzplatten, hoher Heizwert, früher auch zur Herstellung von Pottasche in der Glaserei genutzt

Blätter:
sommergrün, wechselständig, breit elliptisch bis oval, Basis oft abgerundet, an der Spitze kurz zugespitzt, 5-10cm lang, mit 5-9 Nervenpaaren, ganzrandig, Rand leicht wellig, anfangs sind die Blätter seidig behaart und die Ränder bewimpert, später oben dunkelgrün, glänzend und glatt, unterseits auf den Adern und an den Blattstielen behaart, Herbstfärbung leuchtend gelb bis rotbraun, lang haftend, meist bis ins neue Jahr, Blattknospen lang, spindelförmig schmal und spitz, weit abstehend, spiralig hell- bis dunkelbraun beschuppt, Schuppenspitzen sind fein behaart und wirken daher grau, Blattnarbe breit sichel- bis halbmondförmig mit undeutlichen Blattspuren

Blüte:
April - Mai, einhäusig, männliche Blüten zu vielen, in lang gestielten, kugeligen Büscheln, behaart mit 6-15 langen Staubblättern, die weiblichen Blütenstände kugelig, immer mit 2 Blüten, erste Blüte im Alter von 15 bis 20 Jahren, Wind- und Fremdbestäubung

Früchte:
September - Oktober, borstige, waagerecht oder aufrecht stehende Fruchthülle, weichstachelig, zunächst grün, bei Reife rotbraun, mit immer 2 einsamigen Nüssen (Bucheckern)

Samen:
rotbraune dreikantige ölreiche Samen, zu zweit in den Fruchtbechern, in kleinen Mengen essbar, schmeckt nussig, größere Mengen wirken schwach giftig (hoher Oxalsäuregehalt! siehe auch Heilkunde), TKG 220-250g

Wurzeln:
Herzwurzelsystem, sehr kräftig ausgeprägt sind die weit reichenden, untereinander stark wachsenden Hauptseitenwurzeln, hat die intensivste Oberbodendurchwurzelung von allen heimischen Waldbäumen, bei alten Bäumen oft sehr ausgeprägter Wurzelanlauf, Wurzeltiefen liegen zwischen 100 und 140cm, auf verdichteten Böden oder bei hohem Grundwasserstand oft nur 30cm tiefer Wurzelteller, Wurzelsystem der Buche auf leichteren, sandigeren Böden gelegentlich doppelt so breit wie der Kronendurchmesser! gegen Verdichtung, Einschüttung, Abgrabung, Versiegeln, Überschwemmung des Bodens und Veränderung des Grundwasserstandes äußerst empfindlich


Eigenschaften:

hohe Schattenverträglichkeit (Buchen gedeihen noch bei 1/60 des vollen Tageslichts! = etwa 0,5 - 1 klux), frosthart bis -25° C, Temperaturen darunter verursachen Zweig- und Kronenschäden, manchmal Spätfrost gefährdet, Hitze empfindlich, liebt hohe Luftfeuchtigkeit, leidet unter Staunässe und längeren Trockenheiten, empfindlich gegenüber Luft- und Bodenverschmutzung, bei Freistellung älterer Stämme reagiert der Baum mit Rindenschäden (Sonnenbrand), wegen des reichen Laubfalls (900 g/m2) und intensiven Durchwurzelung auch tieferer Bodenschichten ist die Buche eine boden- und bestandspflegende Baumart


Besonderheiten:

Baum des Jahres 1990

die Hauptmasse der aktiven Buchenwurzeln befinden sich in den obersten, lockeren und sauerstoffreichen Mullschicht, gegen Verdichtung durch Überfahren, Lagern von Materialien und anderen Eingriffen, reagiert die Buche mit Abstand am empfindlichsten von allen Baumarten, Schäden werden oft erst nach einigen Jahren sichtbar. Hilfe kommt dann meist zu spät.

bei Blutbuchen bzw. rotblättrigen Pflanzen und Bäumen wird das grüne Chlorophyll von im Zellsaft gelösten roten Farbstoffen (Anthocyane), überdeckt. Daher erscheinen die Blätter leuchtend rot. Im Grunde trifft dasselbe auch im Herbst bei grünen Pflanzen zu. Das Chlorophyll wird abgebaut und dadurch werden die zuvor überlagerten Farbstoffe im Blatt sichtbar, so dass die typische Herbstfärbung erscheint.

Um das spätere Winterwetter zu ergründen, muss zu Beginn des Novembers mit der Axt eine Buche gehackt werden. Bleibt die Wunde trocken, so muss mit einem strengen Winter gerechnet werden. Viele Buchecker im Herbst bedeuten ebenso einen strengen und harten Winter.
Bei Neumond geschlagenes Buchenholz soll nicht von Holzschädlingen befallen werden.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist der Glaube, dass Buchen bei Gewittern einen guten Schutz vor Blitzen bieten. Die alte Volksweisheit besagt: "Vor Eichen sollst du weichen, und Weiden sollst du meiden, zu den Fichten flieh mitnichten, doch Buchen musst du suchen" Dieser Irrglaube ist wohl darauf zurück zu führen, dass man nach Gewittern nur selten Schäden an Buchen findet. Das liegt aber nicht daran, dass Buchen bei Blitzeinschlägen nicht zerfetzt werden wie andere Bäume. Bei Regen wird der glatte Stamm der Buche sehr schnell vom Niederschlagswasser benetzt. Dadurch ist die Außenableitung des Blitzes viel besser als z.B. bei einer Eiche. Die Energie wird einfach über die Stammoberfläche in den Boden geleitet ohne dem Baum sichtbaren Schaden zuzufügen.

Beschriftete Buchenholztafeln, welche zusammen geheftet wurden, haben dem "Buch" seinen Namen gegeben.

So schreibt der Apotheker Tabernaemontanus (1520 - 1590) in seinem Kräuterbuch unter anderem über die Buche: "So man frische Blätter kauet, helffen sie wohl wider den Leffzen und des Zahnfleisches hitzige Geschwulst und Geschwär. Gestossen und aufgestrichen, stärcken sie die schlaffen Glieder. [...] es wird dieser Baum mehr zum bauen und zum brennen dann zur Arzney gebraucht, dann im Wasser bleibt sein Holz unverzehrt und wird vester davon. Also machen die Bauersleut aus den Rinden mancherley Gefäß und Körbe. Aus den faulen Bäumen brennet man Weidaschen zum färbe" (Quelle: http://www.kraeuter.ch/)

Viele Orte sind der Buche gewidmet. Kein anderer Baum findet so häufig Verwendung in den Namen der Ortschaften wie die Buche. Allein in Deutschland gibt es 1567 Ortsnamen wie z.B. Buchholz, Buchthalen, Bucheggberg, Schönenbuch, Buch a.I. Die Eiche hingegen ist "nur" 1459 mal vertreten.

Die oft beeindruckenden Buchenreinbestände in Wäldern werden ehrfürchtig auch als "Buchendome" bezeichnet.

mögliche Schäden oder Krankheiten:

  • Buchengallmücke
  • Buchenschleimflusskrankheit
  • Buchenwollblattlaus
  • Sonnenbrand bei plötzlichem Kahlschlag von Waldbestand

Medizin:

Angaben ohne Gewähr! Die medizinische Nutzung von Pflanzenmaterial ist sehr gefährlich und sollte Experten überlassen werden. Von der Herstellung jeglicher Medien zu heilkundlichen Zwecken wird abgeraten!

Heilkunde:
ein übermäßiger Verzehr der Bucheckern kann toxische Wirkungen haben, wurde dennoch früher in Notzeiten als Nahrungsmittelersatz genutzt

Wirkung:
gegen Magenstörungen wurden früher Kreosotpillen verabreicht, mit einer stark desinfizierenden Wirkung, wegen der krebserregenden Eigenschaften darf der Buchenholzteer heute nur noch äußerlich angewendet werden, wird unter dem Namen "Pix Fagi" verkauft, soll gegen Gicht, Rheuma und Hautleiden helfen
2-3 jährige Rinde wirkt adstringierend, fiebersenkend und antiseptisch, der Rindenaufguss wird bei Erkrankungen der Atemwege und bei Infektionen der Mundschleimhaut angewendet, wirkt gegen Erkältung
In der Bachblütentherapie werden die Blüten der Buche gegen Kritiksucht, Arroganz und Intoleranz angewendet; bei Menschen also, die andere ohne jegliches Einfühlungsvermögen verurteilen.

Nebenwirkung:
zu viele gegessene Bucheckern führen zu Magen- und Darmbeschwerden, Erbrechen, Durchfall, Lähmungserscheinungen und Krämpfen, Kreosot (Buchenholzteer) ist krebserregend

Inhaltsstoffe:
in Bucheckern sind Saponine und Oxalsäure, in der Rinde sind Guajacol und Cresole

Herstellung:
Holz und Rinde im Winter sammeln, Stämme und Zweige trocken destillieren um Buchenteer herzustellen, die desinfizierende Asche der Buche kann man mit Johanniskrautöl vermischen, diese Paste auf Geschwüre und Wunden auftragen
Samen im Oktober sammeln, durch Wässern kann die Blausäure entfernt werden, getrocknet und gemahlen kann man es wie Mehl verwenden, trotzdem gilt: nicht zu viel davon essen/verwenden! Gepresst ergeben die Bucheckern ein vitales Öl

Dosierung & Anwendung:
-


Vermehrung:

nur generativ über Aussaat, Samen im Herbst sammeln, in feuchtem Sand im Kühlschrank lagern, im Frühjahr aussäen


Jungpflanzenanzucht

frühestens nach 2 Jahren den Trieb zum ersten Mal beschneiden, eventuell Leittrieb stäben


Bonsaikunde:

Pflege:
keine Mittagssonne, möglichst halbschattig und windgeschützt, Regenwasser benutzen weil leicht salzempfindlich

Substrat:
Gemisch aus Akadama, Pikiererde, Lavasplitt und Sand 3:3:1:1 oder Akadama und Humus 2:1, alle 2 Jahre umtopfen, auf gute Drainage achten

Düngung:
reichlich ab Blattaustrieb, K-betont für besseren Verdunstungsschutz

Überwinterung:
ohne Schale in Torf-Sand, vor Sonneneinstrahlung schützen!

Gestaltung:
aufrechte Form wirkt am besten, alle anderen auch möglich, drahten erfordert hier besonders Übung, Rinde ist leicht verletzlich und dünn, hinterlässt meistens Spuren, Wachstumsschub im Juni, möglichst nur Spanndrähte benutzen

Rückschnitt:
im Frühjahr die Form bearbeiten, nach Möglichkeit über der letzten Knospe 1 cm stehen lassen, übergroße Spitzenknospen entfernen, wenn sich der erste Austrieb voll entwickelt hat, wird dieser zurück geschnitten, 2 - 3 Blätter stehen lassen, wenn kein längerer Ast benötigt wird, nachfolgender Austrieb kann ebenfalls gekürzt werden, Blattschnitt nötig weil oftmals die Blätter zu groß, aber nur bei optimal versorgter Pflanze vorteilhaft, starke Äste im Frühjahr nach dem Frost und vor dem Laubaustrieb schneiden



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